Neues aus der MS-Forschung

In regelmäßigen Abständen wollen wir hier Neuigkeiten aus der MS-Forschung vorstellen. Forschung, die z.B. gerade erst gestartet ist oder bereits ergebnislos beendet wurde, wo also jeweils nicht viel Datenmaterial vorliegt, um einen ganzen Artikel dazu zu machen, die aber dennoch interessant ist.

22.05.2020

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der MSBase-Kohorte hat die klinische Marker im ersten Jahr der MS mit dem späteren Verlauf verglichen. 1 Heraus kam, dass eine Dreier-Kombination aus „Alter über 35 Jahren beim Einsetzen der ersten MS-Symptome“, „Erreichen eines EDSS von mindestens 3,5 2 im ersten Jahr“ und „Pyramidenbahnzeichen (z.B. Gangspastik)“ eine positiven prädiktiven Wert von 0.15 für das Erreichen eines dauerhaften EDSS von mindestens 6 schon innerhalb der ersten 10 Krankheitsjahre hatte, was mit einer aggressive MS gleichgesetzt wurde. Nur 32% der Patienten in der Studie mit einem solch schweren MS-Verlauf hatten im ersten Jahr diese Befundkonstellation aus Alter und früher Behinderungsprogression auch wirklich gehabt, 68% nicht. Also eignet sich auch diese Befundkonstellation nicht, um daraus dem Einzelnen eine sicher schlechte Prognose zu stellen. Diese Studie ist aber wegen des zweiten Ergebnisses viel interessanter. War diese Befundkonstellation nicht gegeben, dann entwickelten nur 1,4% der Betroffenen diese aggressive MS. Also kann man immer noch nicht am Anfang der MS sagen, wer einen schweren MS-Verlauf entwickeln wird, aber man weiß besser, bei wem das Risiko dafür sehr klein ist.

20.05.2020

Eine kleine belgische Studie untersuchte, wie 27 Menschen mit Multiple Sklerose reagierten, wenn sie entweder im Takt einer Musik, im Takt eines Metronoms oder in Stille 12 Minuten am Stück gingen, und verglichen die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe 28 Gesunder.3 Zusätzlich wurden die empfundene motorische und kognitive Fatigue, die Motivation und das Gangbild getestet. Alle Studienteilnehmer synchronisierten ihr Gangbild gut zur Musik und zum Metronom, allerdings machten die MS-Betroffenen es besser. Schrittlänge, Geschwindigkeit und Trittfrequenz nahmen bei allen ab, außer der Trittfrequenz bei Gesunden. Die MS-Betroffenen erlebten geringere kognitive Fatigue, eine gleichbleibende motorische Fatigue und eine höhere Motivation bei Musik im Vergleich zum Metronom alleine oder zur Stille. Die Studie hat letztlich bestätigt, was man eigentlich schon selbst so empfunden hat: Mit Musik ist Training leichter!

31.03.2020

Ein Team an der Johns-Hopkins-Universität hat eine klinische Phase1/2-Studie an Patienten mit primär progredienter MS (PPMS) aufgelegt, die zunächst Sicherheit und kurzfristige Wirkung von Tauroursodesoxycholsäure, einer Gallensäure, untersuchen soll.4 Verglichen wird mit Placebo. Gallensäuren werden im Körper von der Leber produziert, über die Gallenwege in den Darm ausgeschieden, und dienen dazu, die Fette in der Nahrung besser verdaulich zu machen. Hintergrund für die Studie ist die Beobachtung, dass besonders Betroffene mit PPMS erniedrigte Spiegel von Gallensäuren haben. Die Forscher entdeckten ebenfalls, dass Zellen in MS-Gehirnläsionen, sowohl Nervenzellen als auch Makrophagen (Fresszellen), Rezeptoren für Gallensäurenaufweisen, die über diese Rezeptoren neuroprotektive Eigenschaften zu entfalten scheinen. Dies ist ein völlig neuer Ansatz. Die Studie soll Ende 2020 abgeschlossen sein.

20.04.2020 

Eine Arbeitsgruppe des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) stellte in einer Pressemitteilung ihre Grundlagenarbeit am Mausmodell der MS vor. 5 Die Arbeitsgruppe verfolgte einen grundlegend neuen Ansatz, sie verwendete einen bestimmten Antikörper, um eine bestimmte Unterart der Monozyten absterben zu lassen. Monozyten gehören im Gegensatz zu den Lymphozyten, die das Ziel aller zur Zeit verfügbaren Immuntherapien sind, zum einem anderen Teil des Immunsystems, dem angeborenen Immunsystem. Monozyten werden auch als Fresszellen bezeichnet, und sind diejenigen, die bei MS den eigentlichen Nervenschaden verursachen. Im Mausmodell bildeten sich die Symptome der Tiere sehr schnell zurück, nachdem die Monozyten abgestorben waren. Es bleibt abzuwarten, ob klinische Studien zu diesen Antikörpern folgen werden.

28.04.2020

Drei bereits für andere Erkrankungen zugelassene Medikamente, Amilorid, Riluzol und Fluoxetin, waren in einer groß angelegten radomisierten Studie bei Patienten mit sekundär progredienter MS (SPMS) in Bezug auf neuroprotektive Eigenschaften im Vergleich zu einer Placebobehandung untersucht worden. Leider konnte die Studie keine Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zeigen. 6 Medikamentöse Neuroprotektion ist also weiterhin noch nicht möglich. Sport dagegen geht natürlich immer.

 

Quellen   [ + ]