Wunderwaffe Kurkuma

Was ist dran am Hype um die gelbe Knolle?

Es gibt heute kaum noch einen Bereich, wo uns die gelbe Knolle nicht begegnet: in Zeitschriften, auf Youtube oder im Supermarkt als „super gesunder“ Tee angepriesen. Kurkuma, laut Werbeversprechen ein wahres Wundermittel, helfe gegen Krebs, bei MS1 2 und sei allgemein hilfreich für die Gesundheit. Was ist dran am Hype? 

Was ist Kurkuma?

Kurkuma ist auch als gelber Ingwer, Gelbwurzel oder Safranwurzel bekannt und gehört zur Gruppe der Ingwergewächse.3 Der dort enthaltene Inhaltsstoff Curcumin wird als Gewürz oder unter der Bezeichnung E100 zur Gelbfärbung von Lebensmitteln und Kosmetika genutzt.4

Warum könnte Curcumin bei MS nützlich sein?

Curcumin zeigte bei Experimenten mit Zellkulturen eine antientzündliche Wirkung. Eine Studie5 untersuchte die Wirksamkeit von Curcumin bei Mäusen mit Experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis (EAE), einer entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, welche künstlich bei Labortieren, hier Mäusen, hervorgerufen wird und der Multiplen Sklerose ähnelt. In der Studie zeigte sich, stark vereinfacht gesagt, dass, wenn man Mäusen hoch dosiert Curcumin verabreicht, die Produktion von Interleukin-12, einem Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Leukozyten, aber auch anderen, an der Immunreaktion beteiligten Zellen regelt, verringert wird. Das wäre deshalb interessant, weil es Hinweise darauf gibt, dass Interleukin-12 an der Entstehung der MS beteiligt ist. Allerdings sind keine Studien an Menschen mit MS erfolgt. Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen also keinen Rückschluss auf einen eventuellen Nutzen bei Multipler Sklerose zu.

Probleme bei der Anwendung

Da Curcumin nur in geringen Dosen vom Darm und in die Zellen aufgenommen werden kann, wird ein großer Teil direkt wieder über den Darm und die Leber ausgeschieden. Um eine Wirkung zu erzielen, müssten also sehr große Mengen konsumiert werden, ein Glas Tee dürfte da wohl nicht ausreichen. 

Risiken

Der Konsum solch großer Mengen Curcumin ist zudem nicht frei von Wechsel- und Nebenwirkungen. So können in der Leber Wechselwirkungen zwischen Curcumin und den Enzymen der Cytochrom-P450-Familie auftreten, aber welche Auswirkungen das genau hat, ist unklar. Im „Annals of Oncology“ wurde 2018 allerdings in einem Leserbrief von zwei Fällen berichtet, bei denen die Einnahme von Kurkuma bei zwei Brustkrebspatientinnen den Wirkspiegel von Everolimus (Afinitor®), einem Krebsmittel, stark gesenkt hatte. Auch wurden Wechselwirkungen mit den Krebsmedikamenten Palbociclib, Capecitabin und Enzalutamid beobachtet.6 Auch wenn Kurkuma, in der Regel, gut verträglich ist, berichten einzelne Publikationen von Auftreten allergischer Reaktionen wie Ekzemen, Nesselsucht und toxischer Leberentzündung.7

Fazit

Wer Kurkuma mag, kann seine Vorzüge auch weiterhin als Gewürz oder Tee genießen, eine deutliche Wirkung auf die MS ist aber, nach aktueller Datenlage, nicht zu erwarten. Sollte man sich dennoch für eine Anwendung in höherer Dosis entscheiden, sollte man etwaige Neben- und Wechselwirkungen im Auge behalten und die Behandlung gegebenenfalls mit seinem zuständigen Arzt absprechen.  

Christiane Jung und Stefanie Lechner

Quellen   [ + ]

1. Hansen, Danny: „Kurkuma hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit“, in: https://www.kurkuma-wurzel.info/multiple-sklerose/, o.J. (abgerufen 17.12.2019).
2. Full Dotserv LLC: Ist Kurkuma bei Multipler Sklerose hilfreich? In: https://www.truehealth.org/kurkuma-bei-multipler-sklerose/, 13.11.2018 (abgerufen 17.12.2019).
3. Wikipedia, die freie Enyklopädie: Tumeric, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurkuma, o.J. (abgerufen 17.12.2019).
4. Deutsches Krebsforschungszentrum: Was ist dran: Kurkuma bei Krebs? In: www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/2019/fk14-curcumin-kurkuma-krebs.php, 2019 (eingesehen 17.12.2019).
5. Chandramohan Natarajan and John J. Bright: Signaling Through Janus Kinase-STAT Encephalomyelitis by Blocking IL-12 Curcumin Inhibits Experimental Allergic Pathway in T Lymphocytes, in: The Journal of Immunology, 2002; 168:6506-6513.
6. Clairet AL, Boiteux-Jurain M, et al.: Interaction between phytotherapy and oral anticancer agents: prospective study and literature review, in: Medical Oncology, 06/ 2019, 16;36(5):45. doi: 10.1007/s12032-019-1267-z.
7. Memorial Sloan Kettering Cancer Center: Turmeric, in: www.mskcc.org/cancer-care/integrative-medicine/herbs/turmeric, 2019 (abgerufen am 17.12.2019).